Homeschooling 2020

Zwischen Schulbank und Homeoffice

Dresdner Lange Nacht der Wissenschaft am 09.07.2021

digital und überall

Homeschooling 2020: Zwischen Schulbank und Homeoffice 

Die siebente Woche Homeschooling mit einem Zweitklässler startet, wie die letzte aufgehört hatte. Die kurze Deutschstunde verläuft noch vergleichsweise entspannt, auch wenn für mich als Mutter kaum die Chance besteht, einen Siebenjährigen seine Aufgaben allein bewältigen zu lassen. Er hat schlichtweg immer wieder Zwischenfragen. Meine Arbeit muss warten. Im Matheunterricht danach aber wieder einmal Tränen. Wir zwei in Vollzeit arbeitenden Eltern sind froh, dass Mathe in den Videochat mit Oma ausgelagert werden konnte. Pensionierte Lehrerin! Trotzdem setzen sieben Wochen Lernen zu Hause – ohne Mitschüler, ohne Klassenzimmer und ohne die richtige Lehrerin – unserem Kind zu. Es wird dünnhäutig. Konzentration und Lernbereitschaft sinken. Die Tränen haben daher oft keinen aktuellen Anlass. 

Seit sieben Wochen laden wir am Sonntagabend einen Berg Arbeitsblätter von der Schul-Homepage herunter und drucken wie wild. Ab und zu kommt eine E-Mail der Klassenlehrerin mit ein paar aufmunternden Worten, zu Ostern ein Brief. Gesehen haben die Kinder sie seit Mitte März nicht mehr. Gehört auch nicht. Digitales Lernen: Fehlanzeige. 

Doch kein Wunder: In einer Umfrage des Kölner Berufsberatungsunternehmens „einstieg“ gaben 84 Prozent der Lehrer an, dass sie auf das Szenario Homeschooling nicht vorbereitet waren. Die Krise legt offen, dass es an einer nachhaltigen Strategie zur Digitalisierung der Schulen fehlt. Immerhin: Diese Woche wurden erstmals Links zu YouTube-Lernvideos in die Wochenpläne integriert. 

Eltern sind keine Ersatzlehrer. Die einen jonglieren nebenbei einen Vollzeitjob im Homeoffice, andere müssen täglich zur Arbeit gehen, wieder andere kämpfen gerade um ihre Existenz.  

Kann Homeschooling trotzdem gelingen? Können sich Eltern und Kinder zu Hause organisieren? Wie erleben Familien und Lehrer diese Zeit? Wir wollen in diesem Blog Erfahrungen mit euch teilen und Tipps geben. 

In unserem ersten Beitrag geht es darum, wie wir Struktur in das Chaos zu Hause bringen. 

Starten wollen wir mit ein bisschen Struktur. Die einen haben direkt in Woche 1 damit begonnen, wir haben es bis heute nicht geschafft: einen Tages- oder gar Wochenplan aufzustellen. Wie wollen wir uns als Familie organisieren, was steht wann auf dem Programm? Es ist bei uns beruflich bedingt schlichtweg jeden Tag anders. Doch wir spüren, dass unserem Kind eine stärkere Orientierung helfen könnte. Wann lerne ich, wann habe ich Freizeit, wann darf ich digitale Medien nutzen und wann soll ich eher zur Ruhe kommen?  

Zunutze machen könnt ihr euch dabei die „ALPEN-Methode“. So funktioniert sie: 

 –  Aufgaben und Termine notieren, die erledigt werden müssen 

 –  Länge der Aktivitäten einschätzen 

P  –  für Unvorhergesehenes zusätzliche Zeit einplanen 

 –  Entscheidungen treffen über die Reihenfolge der Arbeiten (Prioritäten setzen)  

 –  Notizen machen über die Aufgabenplanung – Unerledigtes auf den nächsten Tag übertragen 

Schreibt euch einfach eine Tabelle. Auch bei Office oder im Internet gibt es dafür Vorlagen. Beachtet dabei folgendes: 

  • Überlege, was du alles in der Woche tust und gib jeder Tätigkeit eine Farbe 
  • Trage zunächst alles so ein, wie es bisher war. So hast du eine gute Übersicht über deine Reserven und kannst erkennen, wie du deine Zeit besser planen kannst, welche Zeit du vielleicht sinnlos verbringst 
  • Jetzt kannst du deine Zeitplanung Neugestalten. 
  • Aufgaben könnt ihr nach Dringlichkeit sortieren. Diese „Eisenhower-Methode“ vermeidet, dass wir Dinge aufschieben. 
  • Schätzt bei eurer Planung auch, wie lange ihr für Aufgaben plant und wie lange es am Ende wirklich gedauert hat. So geht der nächste Tag schon besser.   

Homeschooling 

Mit einem solchen Plan segelt eine befreundete Familie seit Woche 1 ganz gut durch die Krise. Beide Eltern arbeiten, daheim haben sie zudem ein Grundschul- und ein Kitakind. „Die Herausforderung besteht ja nicht darin, Arbeit, Kinder, Haushalt und Schule unter einen Hut zu bringen, sondern eher alle Themen gleichwertig zu bewältigen und da summiert sich einiges auf. Deshalb war für uns die Organisation das A und O“, findet Vater Alexander. Feste Rituale prägen den Plan, zum Beispiel wird mittags immer gemeinsam gekocht. Und schon vorher können sich die Kinder so auf geplante gemeinsame Spiele oder einen Heimkinoabend freuen. 

 Im nächsten Blogbeitrag geht es um die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern zu Hause. Wie könnt ihr schwierige Situationen auflösen? Wir geben wieder Tipps. 

* Im Interesse einer besseren Lesbarkeit wird nicht ausdrücklich in geschlechtsspezifischen Personenbezeichnungen differenziert. Die gewählte männliche Form schließt selbstverständlich das weibliche und diverse Geschlecht ein