Homeoffice und Recruiting

Der Einfluss auf die Generation Z

Bild von Csaba Nagy auf Pixabay

Was bedeutet ein dauerhaftes Homeoffice für das Recruiting der Generation Z?

Jüngst wurde ich auf eine Studie des ifo-Instituts aufmerksam, die sich mit dem Thema Homeoffice während und nach der Corona-Pandemie auf die deutsche Wirtschaft auseinandersetzte. Basierend auf einer Unternehmensbefragung will knapp über die Hälfte (54 %) der Unternehmen das Homeoffice dauerhaft ausbauen. Passend dazu will die SIEMENS AG verstärkt auf mobiles Arbeiten setzen, von dem weltweit knapp 140.000 Mitarbeiter profitieren sollen.
Vor diesem Hintergrund stelle ich vier Thesen in den Raum, welchen Einfluss ein dauerhaftes Homeoffice auf das Recruiting der Generation Z hat:

These I

Das Recruiting wird dauerhaft auf digitale Prozesse umgestellt

Der verstärkte Einsatz von Telefon- oder Videointerviews sowie Onlinetest als Instrument der Vorauswahl im Bewerbungsverfahren haben an Beliebtheit gefunden und wird sich mittelfristig etablieren. Wesentliche Vorteile für Unternehmen sind der Faktor Zeit und eine effektivere Vorselektion bei einer großen Anzahl von eingegangenen Bewerbungen. Für den Großteil der heutigen Jugend sind Videochats kein Neuland mehr. Jedoch gilt es bei Telefon- und Videointerviews einiges zu beachten. Auch gewinnen Onlinetests als Instrument des Bewerbungsverfahrens zunehmend an Beliebtheit bei der Generation Z. Eine Ausnahme bildet allerdings die Ansprache. Der persönliche Kontakt auf Messen, in den Schulen oder im Rahmen von Events und Projekten bleibt auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil im Recruiting und wird mit digitalen Inhalten und Formaten ergänzt.

These II

Wer Homeoffice anbietet, punktet bei der Generation Z

Bei den meisten Jugendlichen stehen nicht so sehr die finanziellen Konditionen bei der Auswahl des Arbeitgebers im Vordergrund, sondern vielmehr ein gutes Betriebsklima, eine berufliche Perspektive sowie ein positives Erscheinungsbild nach außen. Obwohl der jungen Generation die Work-Life-Balance wichtig ist, achtet sie gegenüber der Generation Y vielmehr auf eine striktere Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. Mit diesem Bewusstsein wird es von Jugendlichen als positiv empfunden, wenn perspektivisch ein Teil der Arbeit auch von zu Hause erledigt werden kann. Unternehmen sollten diese Möglichkeit nach außen kommunizieren: auf der Karriereseite, in den sozialen Netzwerken, in Stellenanzeigen oder spätestens im Bewerbungsverfahren. Parallel dazu müssen die technischen Voraussetzungen in Hard- und Software geschaffen werden.

These III

Homeoffice verschiebt die Gewichtung der Einstellungskriterien

Während viele Unternehmen neben den harten Fakten bei den Bewerbern auch die Soft Skills im Blick haben, dürfte sich dieser Fokus vor dem Hintergrund der Home Office-Arbeit noch verstärken. Vertrauen und Verlässlichkeit spielen künftig eine noch größere Rolle in der Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Gerade der jungen Generation eilt der Ruf voraus, keine große Konzentrationsfähigkeit zu besitzen und ständig vom Smartphone abgelenkt zu sein. Skepsis und Vorbehalte sind allerdings nicht zielführend. Vielmehr setzt es einer passenden Bewerberauswahl, einem gesunden Maß an Vertrauensbildung sowie einer positiven Unternehmenskultur und guten Mitarbeiterführung voraus.

These IV

Eine Neugestaltung des Arbeitsplatzes macht auf die Jugend Eindruck – und wird doch unterschätzt

Der Trend zu mehr Homeoffice bedeutet für jedes Unternehmen auch, ob und wie der künftige Arbeitsplatz ausgestaltet werden soll. Braucht es künftig für jeden Mitarbeiter einen Arbeitsplatz, wenn er nur zwei Mal in der Woche im Unternehmen ist? Was macht das Unternehmen mit den frei gewordenen Kapazitäten an Büroflächen? Vielfach unterschätzt beeinflusst auch die Gestaltung des Arbeitsplatzes die Entscheidung, ob sich ein Bewerber für diesen oder jenen Arbeitgeber entscheidet. Offene Räume, Plätze für Kreativität und Austausch oder eine umweltbewusste Raumgestaltung wirken auf die Jugend anders als die weitverbreiteten Einzel- oder Großraumbüros. Wer hier clevere Ideen hat, trifft den Nerv der Zeit und erhöht seine Chancen um die Gunst der Generation Z.

Die Jugend ist digital aufgewachsen und erobert langsam die Arbeitswelt. Unternehmen müssen darauf vorbereitet sein!

Autor: Sascha Bohn

* Im Interesse einer besseren Lesbarkeit wird nicht ausdrücklich in geschlechtsspezifischen Personenbezeichnungen differenziert. Die gewählte männliche Form schließt selbstverständlich das weibliche und diverse Geschlecht ein

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