Die Rolle der Eltern bei der Berufswahl

OpenAir-Azubimesse

am 26.09.2020

Wie sieht denn die Rolle der Eltern bei der Berufswahl der Kinder aus und wie können Eltern dabei unterstützen. Einiger aktuellen Studien belegen, dass Eltern der erste und wichtigste Ansprechpartner ist, wenn es um die Berufswahl ihrer Kinder geht. Warum? Weil sie oft das größte Vertrauen genießen und über ein gewisses Maß an Berufs- und Lebenserfahrung besitzen 

Die Hilfe der Eltern hat viele positive Aspekte. Sie birgt allerdings auch verschiedene Problemstellungen und Herausforderungen, da sie sich ihrer Rolle bei der Berufswahl oft nicht bewusst sind. Dies deutete ich bereits im Beitrag „Die Logik des Nichtwählens eines Berufes“ an. Wenn beispielsweise für einen angestrebten Beruf die Anerkennung aus dem Kreise der Familie fehlt und auf einmal unattraktiv wird. 

Aus meiner Sicht ergeben sich mehrere Herausforderungen, die bedacht werden müssen: 

Wann fängt die berufliche Orientierung an

  • die berufliche Orientierung fängt nicht erst ab der Sekundarstufe, sondern bereits im Vorschulalter an. Kinder zwischen drei bis fünf Jahren setzen sich bereits in dem Alter mit der Rolle der Eltern und ihren Berufen auseinander. Hier werden die ersten Weichen gestellt. Spätestens mit acht Jahren verinnerlichen Kinder zunehmend typische Geschlechterrollen von Männern und Frauen. Sie unterscheiden vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen im sozialen Umfeld zwischen typischen “Frauenberufen” und “Männerberufen. Das Fenster aller Berufswahloptionen beginnt folglich bereits kleiner zu werden.

Der Einfluss der Eltern

  • Eltern vermitteln berufsbezogene Normen und Wertorientierungen – im Positiven wie im Negativen. Auf der einen Seite abfällige Meinungen zuBeruf oder Arbeitsleben sowie beruflicher Stress und auf der anderen Seite eine mit Fleiß und Leidenschaft gelebte Berufsausübung. Zum Beispiel durch individuelle Gestaltungsmöglichkeiten der Arbeitszeit und eine sichtbar gute finanzielle Entlohnung. Mit Kopfschütteln erinnere ich mich an die eine oder andere Ausbildungsmesse, als ich Jugendliche nach ihrem Berufswunsch befragte und sie mir kurz und knapp “Hartzer” entgegneten. Glücklicherweise waren dies nur Ausnahmen. Aber sie zeigen eben auch sehr deutlich, welchen Einfluss das eigene Elternhaus haben kann.

Die Entscheidungsphase

  • Vermutlich jeder Schüler kennt irgendwann die Frage von den eigenen Eltern “Was willst du denn nun werden?”. Erst recht, wenn diese Frage nicht nur einmal, sondern gefühlt tausendmal gestellt wird. Gerade die aktuelle McDonalds Ausbildungsstudie 2019 verdeutlicht, dass sich die Mehrzahl der Schüler mit der Berufsentscheidung Zeit lassen will und die Berufswahlentscheidung unabhängig der Schulform eine Belastung ist. Geben Eltern ihren Kindern Ratschläge, beruhen diese oft auf Erfahrungen, Eindrücken und Vorstellungendie bereits weit in der Vergangenheit liegen und mit dem gegenwärtigen Arbeitsalltag und den Arbeits- und Produktionsabläufen wenig gemeinsam haben. Die Folgen sind durchaus absehbar. Entweder war das Praktikum  nicht das richtige, die Berufsvorstellung eine falsche oder – und das ist weitaus schlimmer – die ergriffene Ausbildung oder das angefangene Studium eine schlechte Wahl. Viele Eltern versuchen ihre Kinder aktiv zu unterstützen. Sie informieren sich auf Plattformen zu Berufen oder besuchen Elternabende zum Thema Berufsorientierung oder sie gehen mit zu Karrieremessen. Die Flut an Informationen und Angeboten zu den derzeit 326 anerkannten Ausbildungsberufen und den knapp 20.000 Studiengängen ist riesig aber auch meist ernüchternd.

Die Erwartungshaltung der Eltern

  • Auch die Erwartungshaltung der Eltern sowie ein stetig steigender Entscheidungsdruck können schwer auf den eigenen Kindern lastenBeispielsweise stecken nicht wenige Jugendliche in einem Dilemma und tragen innerlich einen Konflikt aus. Entweder wollen sie den Bildungserwartungen der Eltern gerecht werden oder sie möchten den gewünschten Beruf trotz äußeren Widerständen ergreifen. Dies gilt insbesondere für Kinder aus Akademikerfamilien. 

 Tipps zu praktischen Hinweisen

Gute praktische Hinweise bietet der Leitfaden Elternarbeit “Eltern erwünscht? Wie Zusammenarbeit in der Berufs- und Studienorientierung gelingen kann”. Es gibt ihn in einer Kurz- und Langfassung. Herausgeber: die Bundesagentur für Arbeit und dem Netzwerk SCHULE WIRTSCHAFT. 

 Autor: Sascha Bohn

* Im Interesse einer besseren Lesbarkeit wird nicht ausdrücklich in geschlechtsspezifischen Personenbezeichnungen differenziert. Die gewählte männliche Form schließt selbstverständlich das weibliche und diverse Geschlecht ein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.